MAISON IMHO
Direkter Auftrag 2023
Fertigstellung 2025
Privater Bauherr
Riehen, Schweiz
Team: Marco Zürn, Markus Stern, Silvana Feuring, Emmanuel Kazis
In Zusammenarbeit mit wh-p Ingenieure Basel, Studio Emma Thomas, Lehmag, Georg Paul Lehmbau, Lehmwerk, Schreinerei Hugenschmidt, Huber Straub
Fotografie: Markus Stern
In Riehen an einem Hang gelegen, mit Blick auf die Stadt Basel, wendet dieses Einfamilienhaus für ein Paar und ihre zwei Kinder eine klare, industrielle Logik auf den häuslichen Massstab an.
Die Architektur greift auf Le Corbusiers Dom-Ino-Modell zurück – ein reduzierter Betonrahmen, der Struktur, Wiederholung und Langlebigkeit in den Mittelpunkt stellt. Flexibilität wird nicht um ihrer selbst willen implementiert, sondern für Klarheit und Zweckmässigkeit im Bau. Innerhalb dieses rationalen Rahmens führen wir eine Sprache der materiellen Wärme und Regionalität ein. Die nichttragenden Innenwände bestehen aus Lehm, der direkt auf der Baustelle ausgegraben wurde. Ein uraltes Material, das innerhalb moderner geometrischer Formen neu kontextualisiert wird. Der Kontrast zwischen der kühlen Präzision des Betons und der haptischen Präsenz des Lehms schafft eine räumliche Spannung, die sowohl ruhig als auch reichhaltig ist.
Das Haus zeigt zwei unterschiedliche Gesichter: Zur Hangseite und zur Stadt hin maximiert eine vollständig verglaste Fassade Licht und Aussicht; zur ansteigenden Hügelseite hin signalisiert eine gestrichene Holzfassade Privatsphäre und Kontinuität mit örtlichen Bautraditionen.
Unser Ziel ist es, die Architektur auf wesentliche, dauerhafte Werte zurückzuführen: Struktur, Klima, Handwerk und Ort. Dieses Projekt schlägt ein Haus vor, das zugleich industriell und intim ist – es verbindet architektonische Disziplin mit einem Gefühl von raffinierter Geborgenheit, das seinem Kontext entspricht. Ein Prototyp für das Bauen mit Strenge, Zurückhaltung und regionaler Tiefe.
Das Projekt ist aus drei Ortbetonplatten strukturiert, die jeweils vor Ort gegossen und durch eine Kombination aus Säulen und Stützelementen getragen werden. Zwischen den Platten befinden sich unterschiedliche Nutzungsbereiche: Schlafen, Wohnen mit Arbeits-/Spielzonen und Versorgungsbereiche darunter.
Der Entwurf ist bewusst einfach gehalten und bis ins Detail durchdacht. Ein Betonskelett gibt dem Haus Form und definiert seine Logik. Während die Materialwahl zurückhaltend ist, ist die Architektur sorgfältig komponiert, um einen hohen Grad an räumlicher Qualität und körperlichem Komfort zu erreichen. Es gibt keine überflüssigen Elemente; die Details sind direkt, die Verbindungen sind klar, und jedes Element hat eine strukturelle oder räumliche Notwendigkeit.
Das Innere ist durch massive Lehmwände geprägt – Ziegel, die aus der Erde der eigenen Baustelle geformt sind – bieten taktilen Komfort, akustische Weichheit und thermische Stabilität. Diese Wände sind nicht dekorativ, sondern elementar: atmend, tragend, alternd. Sie wirken: Sie regulieren das Raumklima, speichern Wärme und minimieren künstliche Eingriffe.
Der Grundriss ist so organisiert, dass er das tägliche Leben mit entspannter Effizienz unterstützt: Versorgungs- und Arbeitsbereich unten, gemeinschaftlicher Bereich in der Mitte und Ruhebereich oben. Die Erschliessung ist linear, aber nie monoton, sie entfaltet sich mit Licht und Ausblick. Architektur wird hier als Struktur, Material und Erfahrung verstanden. Alles andere soll wegfallen.
In einigen Jahren kann das Haus leicht zu einem Doppelhaus umgebaut werden, indem eine Aussentreppe und eine Küche im ersten Stock hinzugefügt werden. Die Holzwände beim Eingang können demontiert und modifiziert werden.